Montag, 17. März 2014

Y - Eltern

Kaum eine Generation rüttelt so am Selbstverständnis unserer  Gesellschaft wie die "Generation Y". Ein Text über junge Menschen, neue Blickwinkel und ein anderes Verständnis von Schule und Lernen. 

"I always wondered why somebody doesn't do something about that. 
Then I realized I was somebody." - Lily Tomlin 

Eine Generation verändert die Gesellschaft. Das ist der allgemeine Tenor, wenn irgendwo in den Medien über die sogenannten Millennials berichtet wird. Viele junge Leute, die nach 1980 geboren wurden, machen sich auf einmal nichts mehr aus gängigen Statussymbolen. Ein Auto zum Beispiel kann man in Zeiten des Carsharings auch benutzen, ohne es zu besitzen. Und das Wort Auto lässt sich mittlerweile ja durch alles Mögliche ersetzen. Kleidung, Schuhe, Wohnungen, Fahrräder, Lego. Alles wird geteilt. Diese Einstellung zum Leben hat das Potential die Welt zu retten. Ähnlich wie der Einkauf im Biosupermarkt und eine unterschriebene Onlinepetition pro Woche. Auf dem Arbeitsmarkt weiß die Generation Y genau was sie will. Sie gilt als außerordentlich selbstbewusst. Kaum einer macht’s mehr nur fürs Geld. Ein bisschen Sinn stiften muss die eigene Arbeit schon. Und Spaß machen natürlich.

Die Millennials sind untrennbar mit dem Internet verbunden. Wer in der Kindheit verpasst hat, sich von der Oma das Stricken oder vom Onkel das Gitarre spielen beibringen zu lassen, macht einfach einen Youtube Kurs. Wenn die Spülmaschine den Geist aufgibt wurde früher der Fachmann gerufen. Heute wird erstmal gegoogelt, was das nun wieder sein könnte. Und dank diverser Social Media Kanäle weiß man, dass sich da auch eine neue Elterngeneration so ihre Gedanken macht.
Die Kinderkrieger von heute nehmen Elternzeit, bekommen Elterngeld und wünschen sich eine ausgeglichene Work-Life-Balance.
Sie kehren idealerweise nachmittags lächelnd ihrer Arbeit den Rücken und radeln zur Kita um abends gemeinsam mit ihren Kindern das Abendbrot zuzubereiten.

Nach ungefähr sechs Jahren jedoch droht die Einschulung der geliebten Nachkommen und die mühsam erkämpfte heile Welt mit all ihren Freiheiten gerät aus den Fugen. In Deutschland herrscht allgemeine Schulpflicht. Ein Wort, mit dem sich die Elterngeneration Y zunehmend schwer tut. Denn das Wort „Pflicht“ suggeriert vielen die Unmöglichkeit des Entkommens, ein Ausgeliefertsein welches man in allen anderen Lebensbereichen überwunden zu haben glaubt. Nur der Tod scheint noch verpflichtend.
Job, Partnerschaft, Wohnung, Gesellschaft – Da kommt man im Notfall überall irgendwie raus. Aber aus der Schulpflicht kann hierzulande kein Kind entlassen werden.
„Was muss das muss“ sagen sich nun viele. Doch so einfach lassen sich immer mehr Vertreter einer Generation, die in unserer Multioptionsgesellschaft aufgewachsen ist, nicht abspeisen.
Das bestehende Schulsystem war schon ein totes Pferd, als die Generation Y darauf geritten ist. Nun wird sie per Gesetz dazu verpflichtet, dieses Pferd für ihre Kinder neu zu satteln. Sicher, es gibt hier und da ein paar Reförmchen, aber grundlegend geändert hat sich nichts. Wozu auch? Die Kinder kommen ja so oder so. 
Sie müssen ja. 
Die Lehrpläne sind nach wie vor voll mit Stoff, der dazu geeignet ist, ihn nach dem nächsten Test wieder zu vergessen. Es geht nicht um tiefes Wissen auf einem Gebiet, für das sich ein Kind individuell in einem bestimmten Moment begeistert und interessiert. Es geht um viel Wissen für viele Kinder, die gerade zufällig alle im gleichen Alter sind und somit auch alle die gleichen Sachen können und kennen müssen.
Es stellt sich also die Frage, ob wir unseren Kindern einen bequemen Sattel für den langen Ritt auf dem toten Pferd besorgen, oder ob wir sie endlich absteigen lassen.
Solange es die Schulpflicht gibt, wird ein Absteigen fast unmöglich. Denn auch Alternativen in Form von freien Schulen in privater Trägerschaft bieten keine Lösung. Die Lehrpläne müssen hier schließlich genauso umgesetzt werden wie an ihren staatlichen Pendants. Eltern, die sich –aus welchen Gründen auch immer- dem deutschen Schulsystem verweigern, riskieren Bußgeldbescheide und im Extremfall sogar den Sorgerechtsentzug.
Fachleute sind sich seit langem einig, dass es keinen Unterschied gibt zwischen Leben und Lernen. Deshalb kann eine Schule nicht nur das Gebäude sein, in das unsere Kinder morgens rein- und nachmittags völlig erschöpft wieder rausgehen. Schule muss nicht mehr und nicht weniger sein, als ein Ort, an dem ein Kind die Welt erleben kann, an dem es Fragen stellen kann, an dem es die Dinge lernt, die es interessieren und nicht den Stoff, der benötigt wird um die nächste Klassenarbeit nicht zu verhauen. Man kann niemanden zum Leben zwingen und man kann auch niemanden zum Lernen zwingen. Wir aber verpflichten unsere Kinder dazu, über Jahre hinweg mehrere Stunden täglich stillzusitzen und die Klappe zu halten, während sie ihr von Fachleuten ausgesuchtes Wissen vorgesetzt bekommen. 

Natürlich stört es, wenn in einer Klasse mit bis zu 30 Kindern (oft sogar noch mehr!) ständig jemand dazwischen fragt. Dafür gibt es in vielen Grundschulen den Schnatterentenstempel. Und wer seinen natürlichen Bewegungsdrang nicht frühzeitig unter Kontrolle bringt, bekommt Medikamente. Früher stellte kaum jemand diese Praktiken in Frage. „Das ist eben so. Das war so und das bleibt so.“ Punkt. In Zeiten, in denen Häuser übers Internet getauscht und Revolutionen über Facebook organisiert werden, muss es doch aber möglich sein, unseren Kindern die Freiheit des Lernens zurückzugeben ohne dazu das Land zu verlassen! Eine Handvoll gut ausgebildeter junger Leute tut nämlich bereits genau dies und lässt sich mit ihren Familien in Ländern wie Dänemark, Österreich, Frankreich und den USA nieder, die mit liberaleren Schulgesetzen mehr Spielraum für ein neues Bildungsverständnis lassen. Früher gingen diesen Schritt fast nur religiöse Fanatiker oder Hippies, die ein Problem mit der staatlich gelehrten Weltanschauung hatten. Heute sind es immer öfter unbeugsame Y-Eltern, die ihren Kindern ein System ersparen wollen, das in seiner himmelschreienden Sinnlosigkeit anscheinend nur mit einem über hundert Jahre alten Lern- und Präsenzzwang bestehen kann.
Vor kurzem wurde von Arbeitsministerin Andrea Nahles gefordert, den „Anwesenheitswahn“ für Arbeitnehmer abzuschaffen. Bei Schülern käme kaum einer darauf, solch eine Forderung zu stellen. Kinder sind schließlich von Natur aus faul und müssen schon zu ihrem Glück gezwungen werden. Oder etwa nicht? Und außerdem haben wir die Schulzeit ja auch alle überlebt. 

Diese Annahmen zeigen, was das eigentliche Hauptproblem ist: mangelndes Vertrauen. Die Gesellschaft traut ihren Kindern die Neugier, den Drang zu lernen, einfach nicht zu. Und warum? Weil vielen dieser Drang selbst irgendwann verloren gegangen ist, als man ihnen -Jahr ein, Jahr aus- vorgeschrieben hat, was sie zu denken und zu wissen haben. 
Der US-Amerikaner David Karp ist ein Beispiel dafür, dass es auch anders geht. Mit 14 Jahren verließ er die Schule, anstatt seine Zeit weiter im Unterricht abzusitzen. Er beschäftigte sich ab diesem Moment nur noch mit den Dingen, die für ihn relevant waren und für die er sich begeisterte: Computer. Letztes Jahr, im Alter von 26 Jahren verkaufte Karp die Früchte seines Schaffens. Für geschätzte 990 Millionen Dollar ging seine Blogging-Plattform Tumblr an Yahoo. 
Ob Thomas Edison es je zu zweieinhalbtausend Patenten gebracht hätte, hätte er die Schule nicht als Achtjähriger verlassen? Man weiß es nicht. Fest steht, dass es ihm außerhalb der starren Schulstrukturen überhaupt erst möglich war, zu forschen und zu experimentieren. Agatha Christie glaubte fest daran, dass es die Vorgaben der Schule sind, die die Kinder davon abhalten, selbst Ideen zu entwickeln. 

Der Drang der Gesellschaft, eine einheitliche Lösung für alle Kinder zu kreieren deckt sich nicht mit den individuellen Neigungen und Bedürfnissen, die jeder Mensch mitbringt.
In der Tierwelt käme nie jemand auf die Idee, einem Fisch eine schlechte Note zu geben, nur weil er nicht auf Bäume klettern kann. Der Affe schafft das ja schließlich auch ausgezeichnet.
Warum vergleichen wir unsere Kinder ständig miteinander, spielen sie gegeneinander aus und messen ihre Leistungen anhand einer Skala von eins bis sechs? Wenn in der Prüfung alle eine Eins schreiben, bekommt der Lehrer Ärger, ebenso wenn alle durchfallen. Es gibt keine Gewinner ohne Verlierer. Das System selbst besiegt so die Schwächeren und macht sie unweigerlich zu den so genannten „Bildungsverlieren“.
Die Generation Y hat erkannt, dass Leben, Lernen und Arbeit zusammengehören und nicht getrennt voneinander zu betrachten sind. Sie wissen, dass sie bis ins hohe Alter arbeiten werden müssen und dass das nur funktioniert, wenn man in einer Sache voll und ganz aufgeht, sie mit Leidenschaft tut! Die Millennials lehnen viele Diktate ab, die vor kurzem noch selbstverständlich waren. Sie verändern mit ihrer Einstellung die Arbeitswelt. 

Als nächstes ist die Schule dran.




Dienstag, 18. Februar 2014

Komm’se rein, könn’se rausgucken!

Dawanda lädt zur Wohnparade und ich möchte euch sehr gern zeigen, wie's bei uns zu Hause so ausschaut. Berufsbedingt liebe ich Farben ja über alles und weiße Wände sind und waren mir eigentlich schon immer ein Graus. (Diesem Thema widmete ich einst sogar einen eigenen Artikel.)
Angst vor Farbe an den Wänden habe ich also nicht.
Und so kommen wir auch schon zur ersten Frage der Wohnparade:

1.) Was ist Deine Lieblingsecke in Deinem Zuhause und warum?

Meine Lieblingsecke hat eigentlich vier Ecken. Und die sind alle dunkelgrün. Unser Wohnzimmer mit dem großen roten Samtsofa (ein Ebay-Schnäppchen) ist der Raum, in dem man es sich am besten mit Freunden und Familie gemütlich machen kann. Hier werden Bücher (vor)gelesen und Feste gefeiert, hier wird getobt und sich ausgeruht.


































2.) Was hast Du in Deiner Wohnung selbstgemacht? (sei es selbst tapeziert, ein Möbelstück gebaut oder verändert oder Wohndeko selbst hergestellt)

Oh... das ist einiges. Noch vor unserem Einzug haben wir natürlich alle Wände gestrichen. Unsere vorherige Wohnung hatte überall Stuck und darauf wollten wir auch in der neuen Wohnung nicht verzichten. Also haben wir selbst "Stuckleisten" vergeklebt. Überall. Auch im Bad ;-)
Viele (alte) Möbel und Lampen, die in unserer Wohnung  zu finden sind, haben wir selbst restauriert oder einfach mit ein bisschen Graffiti Spray aufgehübscht. So zum Beispiel diese Apothekerkommode im Kinderzimmer:
















3.) Was begegnet einem zuerst, wenn man Deine Wohnung betritt?

Bilder, Bilder, Bilder. Überall hängen Fotos und Gemälde, Drucke und sogar leere Bilderrahmen.
Der 11m lange, aber sehr schmale Flur wird außerdem von zwei Kronleuchtern geschmückt. Hier wurden auch schon unzählige Bobby-Car-Rennen ausgetragen.

4.) Auf welchen Einrichtungsgegenstand in Deiner Wohnung bist Du besonders stolz?

Da gibt es ehrlich gesagt zwei.
Zum einen dieses alte Schaukelpferd, welches ich mal für kleines Geld bei Ebay erstanden und aufwendig  restauriert habe:















Und zum anderen natürlich unser Familienbett, welches wir vor 3 Jahren selbst entworfen und gebaut haben. (Die Bauanleitung dazu findet ihr hier.)






















Ich hoffe, euch hat diese kleine Reise durch die Wohnung Kunterbunt gefallen. :-)
Ich mach mich jetzt wieder ans Werk:



Donnerstag, 19. September 2013

Ich werd zum Wutbürger

Neulich kam mein ältester Sohn kreidebleich und schreiend über den Spielplatz gerannt. Die Haut hing ihm in Fetzen von seiner rechten Hand. Erstaunlicherweise lief diese Szene recht unblutig ab und die Wunde war mit zwei großen Pflastern schnell versorgt.
Was war passiert?
Er hatte sich an einer messerscharfen Metallverbindung an der Schaukel verletzt. Andere herumstehende Eltern erklärten mir, dass an dem Ding schon seit Wochen die Gummiisolierung fehlt. Repariert aber keiner. Wie viele andere marode und kaputte Spielgeräte in Friedrichshain-Kreuzberg.
Mehr als die Hälfte der 175 Spielplätze dieses kinderreichen Berliner Bezirks sind entweder gesperrt oder nur eingeschränkt nutzbar. Jeden Tag werden es mehr. Dabei müssten die Verantwortlichen ein Interesse daran haben ein ausreichendes Spielplatzangebot zur Verfügung zu stellen.
Seit dem 1. August 2013 haben alle Kinder, die ein Jahr und älter sind einen Rechtsanspruch auf einen Kita-bzw. Krippenplatz. In Friedrichshain-Kreuzberg besucht ein nicht unerheblicher Teil der Kinder einen Kinderladen oder geht in eine Tagespflege. Diese Betreuungseinrichtungen werden meist ohne ausreichende eigene Grünflächen genehmigt und sind somit, im Gegensatz zu Großkitas mit eigenem Garten, massiv auf die öffentlichen Spielplätze angewiesen.
65000 Euro hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg in den Jahren 2012/2013 für die Reparatur und Instandhaltung der Spielplätze vom Senat zur Verfügung gestellt bekommen. Die grüne Fraktion des Bezirks hat ausgerechnet dass es somit nur läppische 37 Jahre dauern sollte, die bereits bestehenden Schäden in Höhe von 2,4 Mio Euro zu reparieren.
Zum Vergleich: Der Großflughafen BER hat bis jetzt 4,3 Mrd Euro gekostet. Jeder weitere Monat bis zur Eröffnung eines fernen Tages kostet den Steuerzahler 35-40 Millionen Euro.
Die Kleinkinder, ihre Familien und Erzieher tragen die Last dieser verfehlten Finanzpolitik aber nicht allein. Sie sind in guter Gesellschaft. Kürzlich hatte nämlich jemand die Idee auch bei der Jugendhilfe den Rotstift anzusetzen um Projekte zu streichen und Einrichtungen dicht zu machen. So zum Beispiel den T.E.K. Jugendladen in Kreuzberg, der seit 1972 alternative Kinder-, Schüler- und Jugendarbeit leistet.
Ab dem 1.1.2014 werden die Jugendlichen auf der Straße stehen, wenn die Verantwortlichen nicht bereit sind umzudenken und das Geld endlich in die richtige Richtung lenken! Die derzeitigen Zustände sind eine Schande für die Stadt Berlin und zeigen, dass die Jüngsten der Gesellschaft einfach keine Lobby haben.
Wir hätten die kaputte Schaukel letztens bei der zuständigen Stelle des Bezirksamtes melden sollen. Haben wir aber nicht. Denn sie würde nicht repariert werden. Nein, man würde sie abnehmen oder mit einem Bauzaun absperren. Ich sage den Kindern einfach sie sollen vorsichtig sein.
Lieber eine kaputte Schaukel als gar keine Schaukel.